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Leserbrief zum Artikel „Grossbanken brauchen Kapital“ , 15. Oktober 2010 Neue Zuger Zeitung
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Die Bemühungen, unser Finanz- und Bankensystem stabiler zu machen, sind sehr zu begrüssen. Die "too big to fail"-Problematik wird mit der Erhöhung der Eigenkapitalquote (zu Lasten der KMUs!) aber nur marginal entschärft, wie Zuberbühler von der Finma richtig ausführt. Die global tätigen Grossbanken werden den Schweizer Steuerzahler also weiter beschäftigen.Um eine Aufgabe lösen zu können, muss man sich profund mit der Ursache einer Wirkung beschäftigen. Das tut die Politik nicht. Auch nicht die "laute Fraktion" der Wirtschaftswissenschaft. Am 24. Juni 2010 erschien in der renommierten "Die Zeit" der Artikel "Wie Geld zu Geld wird" (Schieritz/Heuser). Damit habe ich das erste Mal einen fundierten Bericht zur aktuellen Organisation unseres Geldwesens in einer grossen, europäischen Zeitung gelesen. Das, obwohl es die entsprechende wissenschaftliche Literatur schon seit Jahrzehnten gibt. Ich möchte dabei speziell auf die Arbeit von Joseph Huber hinweisen, der in seinem Buch "Monetäre Modernisierung die Zukunft der Geldordnung" an die Ideen von Irving Fisher anknüpft, siehe auch www.monetative.org. Fisher, nach John Maynard Keynes der einflussreichste Ökonom seiner Zeit, hat sich nach der grossen Depression in den 30ern des letzten Jahrhunderts Gedanken gemacht, wie solches zukünftig zu verhindern wäre. Huber hat Fishers Idee vom 100%-Money wieder aufgenommen und aktualisiert, lange vor der gegenwärtigen Finanzkrise. Eine Vollgeldordnung, statt eines fraktionalen Geldsystems, wie wir es im Westen im Kern seit 1694 nach dem Vorbild der Bank von England haben, hätte nach Huber folgende Vorteile: Weder Sparer noch Steuerzahler müssten weiter für riskante Investitionen von Bankhäusern geradestehen. Die fehlbare Bank könnte - wie in einer Marktwirtschaft vorgesehen liquidiert werden, ohne dass die Spareinlagen oder die volkswirtschaftliche Geldversorgung gefährdet wären. Die Seignorage (Geldschöpfungsgewinne) käme vollumfänglich der Allgemeinheit zu gute, die Staatsverschuldung könnte reduziert, damit Steuern auf Einkommen gesenkt, die Realwirtschaft stabilisiert und krisenresistentes Geld geschöpft werden. Natürlich gibt es auch Nachteile: Allfällige Kollateralschäden während der Übergangszeit sind (noch) nicht gut genug untersucht, dürften aber weit unter jenen einer neuerlichen Krise liegen. Der Schweizer Franken würde noch stärker werden, weil die Euroschwemme (ohne jeden realwirtschaftlichen Bezug) um Zeit zu gewinnen anhalten wird, damit über Alternativen und Korrekturen für das gegenwärtige, europäische Projekt nachgedacht werden kann.Durch die wieder erlangte, transparente Kontrolle über die tatsächliche Geldmenge würden aber Spekulationsexzesse und damit manche Saläre in der Finanzmärchenwelt wieder auf ein verhältnismässiges Mass zurückgehen (Unternehmertum und Arbeit, statt das Herumschieben von virtuellem Geld würden sich vermehrt lohnen). Die Schweiz wäre durch ihre eigene Währung, stabile Verhältnisse, ihr flächendeckendes Raiffeisen- und Kantonalbankennetz und die direktdemokratische Diskussionskultur prädestiniert, wieder einmal eine Vorreiterrolle einzunehmen. |
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Thomas Brändle, 6314 Unterägeri
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